Online-Therapie-Vergleich.de Logo Online-Therapie-Vergleich

Verhaltenstherapie und die anderen Therapieformen im Überblick

Zuletzt aktualisiert am

Verhaltenstherapie und Psychoanalyse im Detail – Ablauf, Techniken, Dauer und Kosten. Dazu tiefenpsychologisch und systemisch im Vergleich sowie die Abgrenzung zu Beratung.

Anzeige: Als Affiliate-Partner erhalten wir eine Vergütung, wenn du Produkte oder Dienstleistungen über die bereitgestellten Links erwirbst. Für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten. Instahelp und Beavivo vergüten uns nicht.

Wer einen Therapieplatz sucht, stolpert über Begriffe, die niemand erklärt: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundiert, analytisch, systemisch. In den Suchportalen ist das ein Filter, den du setzen musst, bevor überhaupt eine Praxis erscheint. Dieser Artikel stellt die vier Verfahren nebeneinander, grenzt Behandlung, Beratung und Coaching ab und zeigt den Weg zum Termin. Welche digitalen Angebote es daneben gibt, steht in unserem Vergleich der Online-Therapie-Anbieter.

Therapieformen in Deutschland: die kurze Antwort

Vier Verfahren sind als Richtlinienpsychotherapie anerkannt und damit grundsätzlich von den gesetzlichen Krankenkassen erstattungsfähig:

  • Verhaltenstherapie (VT) – arbeitet an Denk- und Verhaltensmustern in der Gegenwart.
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) – arbeitet an einem umgrenzten unbewussten Konflikt.
  • Analytische Psychotherapie (AP) – arbeitet breiter an zugrundeliegenden Konfliktstrukturen.
  • Systemische Therapie (ST) – arbeitet an Beziehungen und Mustern im Umfeld.

Alle vier sind gleichermaßen anerkannt. Es gibt keine offizielle Rangliste, und dieser Artikel baut auch keine: Welches Verfahren passt, hängt von Anliegen, Arbeitsweise und Lebenssituation ab und wird fachlich eingeschätzt. Daneben existieren Beratung, Coaching und Selbstlernprogramme – andere Angebote mit anderen Regeln.

Verfahren, Methode, Technik: was mit „Therapieform“ gemeint ist

Verfahren, Methode, Technik – der Unterschied

Ein Verfahren ist das übergeordnete Behandlungskonzept mit eigener Theorie, etwa die Verhaltenstherapie. Eine Methode ist ein Vorgehen darin, zugeschnitten auf ein bestimmtes Problem – zum Beispiel Exposition oder EMDR. Eine Technik ist die einzelne Übung: ein Rollenspiel, ein Gedankenprotokoll, eine zirkuläre Frage. Wenn von „Therapieform“ die Rede ist, ist fast immer das Verfahren gemeint – nur das steht auch in den Antragsformularen.

Wissenschaftlich anerkannt ist nicht dasselbe wie Kassenleistung

Die wissenschaftliche Anerkennung spricht der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie aus; sie ist die Grundlage dafür, dass ein Verfahren in der Ausbildung vermittelt wird. Die sozialrechtliche trifft der Gemeinsame Bundesausschuss über die Psychotherapie-Richtlinie; erst sie entscheidet, ob die Kasse zahlt. Deshalb kann ein Ansatz fachlich anerkannt und trotzdem keine Kassenleistung sein.

Die vier Richtlinienverfahren im Vergleich

Die Sonderstellung dieser vier ist rechtlicher Natur: Sie stehen in der Psychotherapie-Richtlinie, dürfen nur von approbierten Psychotherapeut:innen erbracht werden und sind bei entsprechender Diagnose über die Kasse abrechenbar.

Verfahren Grundannahme Typisches Vorgehen Häufige Einsatzbereiche Setting, Frequenz und Dauer
Verhaltenstherapie Belastende Denk- und Verhaltensmuster sind erlernt und veränderbar; Blick auf Gegenwart und Auslöser Problemanalyse, Zielvereinbarung, Übungen zwischen den Sitzungen, Verhaltensexperimente, Exposition Häufig bei depressiven Beschwerden, Angst- und Zwangsstörungen, Belastungen mit klaren Auslösern Einzeln, meist wöchentlich rund 50 Minuten; Kurzzeit in der Regel bis zu 24, Langzeit bis zu 60 Sitzungen, Erweiterung auf Antrag möglich
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie Unbewusste Konflikte und frühe Beziehungserfahrungen prägen aktuelle Beschwerden mit Gespräch im Sitzen, begrenzter Konfliktfokus, therapeutische Beziehung als Arbeitsmittel, wenig Hausaufgaben Häufig bei wiederkehrenden Beziehungsmustern und Belastungen mit biografischem Bezug Einzeln, in der Regel wöchentlich rund 50 Minuten; Langzeit in der Regel bis zu 60 Sitzungen, Erweiterung auf Antrag möglich
Analytische Psychotherapie Psychodynamisch wie die TP, aber breiter: Konfliktstruktur und Persönlichkeitsentwicklung Freies Assoziieren, zurückhaltende Gesprächsführung, Arbeit an Übertragungsmustern, klassisch im Liegen Häufig bei lange bestehenden, tief verankerten Mustern ohne einzelnen Fokus Ein bis mehrere Termine pro Woche; höchstes Kontingent der vier, in der Regel bis zu 160 Sitzungen, Erweiterung auf Antrag möglich
Systemische Therapie Beschwerden entstehen und halten sich im Zusammenspiel mit dem sozialen Umfeld Zirkuläre Fragen, Arbeit an Rollen und Kommunikationsmustern, Einbezug von Bezugspersonen möglich Häufig, wenn die Belastung eng mit Familie, Partnerschaft oder Arbeit verwoben ist Einzel- oder Mehrpersonensetting, oft größere Abstände; Langzeit in der Regel bis zu 48 Sitzungen, Erweiterung auf Antrag möglich

Zur Einordnung: Die vier Verfahren sind gleichermaßen anerkannt, und diese Übersicht bewertet sie nicht gegeneinander. Welches passt, ist eine Frage der individuellen Passung und gehört in Sprechstunde und Probatorik, nicht an den Bildschirm. Die systemische Therapie ist erst seit einigen Jahren auch für Erwachsene erstattungsfähig und wird vielerorts noch seltener angeboten.

Verhaltenstherapie (VT)

Grundannahme und typisches Vorgehen

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass belastende Muster im Denken, Fühlen und Handeln gelernt wurden – und Gelerntes sich verändern lässt. Am Anfang steht eine gemeinsame Analyse: In welchen Situationen tritt die Belastung auf, welche Gedanken kommen dann, was tust du daraufhin? Daraus werden Ziele abgeleitet. Die Sitzungen sind meist klar strukturiert; typische Bausteine sind Verhaltensexperimente, das Prüfen von Gedanken, Aktivitätsaufbau und Exposition. Schematherapie, DBT und ACT sind keine eigenen Kassenverfahren, sondern werden innerhalb der Verhaltenstherapie angewandt.

Wofür die Verhaltenstherapie häufig eingesetzt wird

Sie gilt als gut untersucht und wird häufig eingesetzt, wenn sich die Belastung an konkreten Situationen festmachen lässt – etwa bei Online-Therapie bei Depressionen oder bei Online-Therapie bei Angststörungen. Weil sie stark mit Gespräch, Struktur und Material arbeitet, lässt sie sich vergleichsweise gut per Video abbilden: Beavivo etwa vermittelt approbierte Therapeut:innen und bietet vorab ein kostenloses Infogespräch. Ein anderes Format ist Online-Therapy.com – ein KVT-Selbstlernprogramm auf Englisch, das eine Behandlung ausdrücklich nicht ersetzt.

Verhaltenstherapie oder KVT – was ist der Unterschied?

Beide Begriffe werden im Alltag synonym benutzt, und das ist meist unproblematisch. Genau genommen ist die Verhaltenstherapie das Kassenverfahren, wie es in der Psychotherapie-Richtlinie steht. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT, englisch CBT) bezeichnet die Weiterentwicklung, in der neben dem Verhalten ausdrücklich auch die Gedanken bearbeitet werden – und die heute die Praxis prägt. Wer eine „Verhaltenstherapie" bewilligt bekommt, erhält also in der Regel eine kognitive Verhaltenstherapie. Auf dem Antrag steht trotzdem VT.

Die wichtigsten Techniken im Überblick

Die Verhaltenstherapie arbeitet mit einem überschaubaren Repertoire, das je nach Anliegen kombiniert wird:

TechnikWorum es gehtTypisch bei
Kognitive UmstrukturierungAutomatische Gedanken sammeln, auf ihren Gehalt prüfen und tragfähigere Alternativen erarbeitenDepressive Episoden, Selbstzweifel, Sorgengrübeln
ExpositionSich der gefürchteten Situation gestuft und begleitet stellen, statt ihr auszuweichenAngststörungen, Panik, Zwänge, Trauma
VerhaltensexperimentEine Befürchtung als Vorhersage formulieren und im Alltag überprüfenSoziale Ängste, Katastrophengedanken
AktivitätsaufbauSchrittweise wieder Tätigkeiten aufnehmen, die Struktur und Zufriedenheit gebenDepressive Episoden, Antriebsverlust
Reizkontrolle und SchlafrestriktionBett und Schlafzeiten so ordnen, dass sich der Schlafdruck wieder aufbautChronische Ein- und Durchschlafstörungen
SkillstrainingKonkrete Fertigkeiten für Anspannung, Gefühle und Konflikte einübenEmotionale Instabilität, Impulsdurchbrüche

Ein wiederkehrendes Element ist die Arbeit zwischen den Sitzungen. Was in der Praxis besprochen wird, soll im Alltag ausprobiert werden – Protokolle, Übungen, kleine Experimente. Wer damit nichts anfangen kann, kommt mit einem tiefenpsychologisch fundierten Vorgehen unter Umständen besser zurecht.

Wie lange dauert eine Verhaltenstherapie?

Die Psychotherapie-Richtlinie gibt den Rahmen vor. Eine Kurzzeittherapie umfasst bis zu 12 Therapieeinheiten, auf Antrag folgen nochmals bis zu 12 – zusammen also 24. Reicht das nicht, greift die Langzeittherapie: Bewilligt werden zunächst 60 Einheiten für Erwachsene, auf Antrag ist eine Verlängerung auf bis zu 80 möglich. Damit liegt die Verhaltenstherapie im Bewilligungsschritt gleichauf mit der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (60, Verlängerung bis 100) und deutlich unter der analytischen (160, Verlängerung bis 300).

Eine Einheit dauert in der Regel 50 Minuten, üblich ist ein Termin pro Woche. Die psychotherapeutische Sprechstunde und die probatorischen Sitzungen werden auf dieses Kontingent nicht angerechnet. Wie der Weg dorthin abläuft, steht ausführlich unter Therapieplatz finden.

Was kostet Verhaltenstherapie – und was zahlt die Kasse?

Bei einer Praxis mit Kassenzulassung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Behandlung vollständig; es fällt keine Zuzahlung an. Der Antrag läuft über die Praxis, bei einer Kurzzeittherapie in der Regel ohne Gutachterverfahren.

Ohne Kassenplatz gibt es zwei Wege. Über das Kostenerstattungsverfahren nach § 13 Abs. 3 SGB V muss die Kasse eine Privatpraxis erstatten, wenn in zumutbarer Zeit kein Platz zu bekommen ist – Wartezeiten über drei Monate gelten dabei grundsätzlich als nicht zumutbar. Oder als Selbstzahler: Dort legen die Behandelnden ihr Honorar selbst fest, marktüblich sind bei approbierten Fachkräften Beträge im Bereich von etwa 100 bis 150 Euro pro Sitzung. Privatversicherte richten sich nach ihrem Tarif.

Die dritte Welle: Schematherapie, DBT und ACT

Diese drei Namen begegnen einem häufig, und sie werfen regelmäßig die Frage auf, ob es sich um eigene Therapieformen handelt. Die Antwort ist nein: Sie sind keine eigenständigen Kassenverfahren, sondern werden innerhalb der Verhaltenstherapie angewandt.

  • Schematherapie arbeitet mit früh erworbenen Mustern („Schemata") und den Bewältigungsversuchen, die daraus entstanden sind. Häufig bei überdauernden Beziehungs- und Selbstwertthemen.
  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) verbindet Verhaltenstherapie mit Achtsamkeit und einem strukturierten Skillstraining. Entwickelt für emotionale Instabilität und Selbstverletzung.
  • Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) setzt weniger darauf, belastende Gedanken zu verändern, als darauf, ihnen weniger Steuerungsmacht zu geben und sich an eigenen Werten zu orientieren.

Praktisch heißt das: Du kannst eine Praxis suchen, die mit einem dieser Ansätze arbeitet – beantragt und abgerechnet wird trotzdem Verhaltenstherapie.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)

Die TP nimmt an, dass unbewusste Konflikte und frühe Beziehungserfahrungen daran beteiligt sind, wie du heute reagierst. Der Ansatz ist psychodynamisch, aber bewusst begrenzt: Zu Beginn wird ein Fokus vereinbart, ein wiederkehrendes Thema, zu dem die Arbeit immer wieder zurückkehrt.

Gearbeitet wird im Sitzen, im Gespräch, mit deutlich weniger Übungen als in der Verhaltenstherapie. Zentrales Arbeitsmittel ist die therapeutische Beziehung selbst: Wie du dich in ihr erlebst, wird zum Material, an dem sich Muster zeigen. Die Termine liegen in der Regel wöchentlich bei rund 50 Minuten. Häufig eingesetzt wird die TP, wenn Belastungen in Beziehungen immer wieder ähnlich auftreten.

Analytische Psychotherapie (AP) – die Psychoanalyse als Kassenverfahren

Die AP teilt die psychodynamische Grundannahme mit der TP, ist aber breiter angelegt: Statt eines umgrenzten Fokus geht es um die zugrundeliegende Konfliktstruktur und um Persönlichkeitsentwicklung – etwa darum, wie du mit Nähe, Abgrenzung oder Enttäuschung umgehst. Das Vorgehen ist offener: freies Assoziieren bei zurückhaltender Gesprächsführung, klassisch im Liegen, mit mehreren Terminen pro Woche.

Die längere Dauer ist keine Aussage über Qualität oder Ergebnis, sondern gehört zum Konzept – ein breit angelegter Prozess braucht mehr Zeit als eine fokussierte Kurzzeitbehandlung. Praktisch entscheidend ist deshalb eine nüchterne Frage: ob du mehrere Termine pro Woche über lange Zeit in deinen Alltag bekommst.

Psychoanalyse oder analytische Psychotherapie – wo liegt der Unterschied?

Das ist die häufigste Verwechslung in diesem Feld. Psychoanalyse ist der ältere und weitere Begriff: eine von Sigmund Freud begründete Theorie über das Seelenleben, eine Behandlungsmethode und eine Forschungsrichtung in einem. Analytische Psychotherapie ist demgegenüber die enger gefasste Bezeichnung, unter der die psychoanalytische Behandlung als Richtlinienverfahren in der deutschen Gesetzlichen Krankenversicherung geführt wird.

Praktisch heißt das: Wer eine „Psychoanalyse" auf Kassenkosten machen möchte, beantragt eine analytische Psychotherapie. Wer außerhalb des Kassensystems eine Analyse macht – etwa im Rahmen einer Ausbildung oder als Selbstzahler –, spricht eher von Psychoanalyse. Die Arbeitsweise ist dieselbe; unterschiedlich sind Rahmen und Abrechnung.

PsychoanalyseAnalytische Psychotherapie
Was der Begriff bezeichnetTheorie, Methode und ForschungsrichtungEin Richtlinienverfahren der GKV
RahmenAuch außerhalb des Kassensystems, teils sehr hochfrequentNach Psychotherapie-Richtlinie, mit Antrag und Kontingent
UmfangNicht formal begrenzt160 Einheiten je Bewilligungsschritt, Verlängerung bis 300 möglich
KostenSelbstzahler, sofern nicht als AP beantragtKasse zahlt bei Kassenzulassung

Wie eine analytische Behandlung praktisch abläuft

Drei Elemente prägen das Vorgehen und unterscheiden es deutlich von der Verhaltenstherapie:

  • Freies Assoziieren. Du sagst, was dir in den Sinn kommt, ohne es vorher zu sortieren. Die zurückhaltende Gesprächsführung ist Absicht: Sie soll den eigenen Assoziationen Raum geben, statt sie durch Nachfragen zu lenken.
  • Übertragung. Muster aus früheren wichtigen Beziehungen zeigen sich in der Beziehung zur behandelnden Person – und werden gerade dort bearbeitbar. Das ist kein Nebeneffekt, sondern ein zentrales Arbeitsmittel.
  • Deutung. Statt Ratschläge oder Übungen zu geben, werden Zusammenhänge angeboten, die vorher nicht zugänglich waren.

Der klassische Rahmen sieht das Liegen auf der Couch bei drei Terminen pro Woche vor. In der Praxis wird häufiger im Sitzen und mit zwei Terminen gearbeitet. Genau das ist die entscheidende Alltagsfrage – nicht die Methode, sondern ihre Frequenz.

Wofür sie in Frage kommt – und wofür weniger

Die analytische Psychotherapie wird typischerweise erwogen, wenn Beschwerden nicht an einzelne Situationen gebunden sind, sondern sich über Jahre durch verschiedene Lebensbereiche ziehen: wiederkehrende Beziehungsmuster, überdauernde Selbstwertthemen, Konflikte, die sich in immer neuer Form wiederholen. Weniger naheliegend ist sie, wenn es um eine klar umgrenzte Problematik geht, bei der die Verhaltenstherapie mit Exposition oder Aktivitätsaufbau schneller ansetzen kann – oder wenn eine akute Krise rasche Entlastung braucht.

Zur Studienlage eine ehrliche Einordnung: Die vier Verfahren sind als Kassenleistung gleichrangig anerkannt. Die Zahl kontrollierter Studien ist zwischen ihnen aber ungleich verteilt – zu den psychodynamischen Verfahren liegen weniger randomisierte Untersuchungen vor als zur Verhaltenstherapie, was auch daran liegt, dass mehrjährige Prozesse sich schwer in Studiendesigns pressen lassen. „Weniger untersucht" ist deshalb nicht dasselbe wie „weniger wirksam" – aber es ist auch kein Beleg für das Gegenteil. Die Entscheidung fällt fachlich im Einzelfall.

Lässt sich Psychoanalyse online machen?

Hier stößt das Format an Grenzen, die sich nicht wegdiskutieren lassen. Das Liegen auf der Couch bei zurückhaltender Gesprächsführung setzt einen Raum voraus, den ein Videofenster nur bedingt herstellt; auch feine Signale in Mimik und Körperhaltung, mit denen in diesem Verfahren gearbeitet wird, gehen per Kamera teils verloren. Einzelne Sitzungen per Video sind in der Praxis üblich, etwa bei Reisen oder Krankheit. Eine vollständig online geführte analytische Behandlung ist dagegen die Ausnahme – anders als bei der Verhaltenstherapie, die sich strukturell besser übertragen lässt. Wer online sucht und psychodynamisch arbeiten möchte, findet mit der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie in der Regel die praktikablere Variante.

Systemische Therapie (ST)

Die systemische Therapie betrachtet Beschwerden nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit dem Umfeld: Familie, Partnerschaft, Arbeitsplatz. Typisch sind zirkuläre Fragen („Wie würde deine Schwester die Situation beschreiben?“), die Arbeit an Rollen und Kommunikationsmustern sowie der Einbezug von Bezugspersonen in einzelne Sitzungen. Die Termine liegen häufig in größeren Abständen, weil zwischen den Sitzungen ausprobiert werden soll; das Kontingent ist vergleichsweise knapp.

Systemische Therapie ist nicht dasselbe wie Paartherapie

Diese Unterscheidung führt regelmäßig zu Erstattungsirrtümern. Systemische Therapie als Kassenleistung ist die Behandlung einer erkrankten Person, in die Angehörige einbezogen werden können. Eine Paartherapie zur Beziehungsarbeit behandelt keine Erkrankung und ist deshalb keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse – was das für Formate und Kosten bedeutet, steht bei der Online-Paartherapie.

Weitere bekannte Ansätze – und warum sie keine eigenen Kassenverfahren sind

EMDR ist keine eigene Therapieform, sondern eine Methode, die bei der Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung bei Erwachsenen innerhalb der Richtlinienverfahren angewandt wird – mehr dazu bei Online-Therapie bei PTBS.

Gesprächspsychotherapie, Gestalttherapie, Körper- und Kunsttherapie stehen außerhalb des Katalogs der Richtlinienverfahren und werden für Erwachsene in der Regel nicht über die gesetzliche Krankenkasse abgerechnet – eine sozialrechtliche Feststellung, keine Abwertung. Eine eigene Kategorie sind digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), umgangssprachlich „Apps auf Rezept“: keine Psychotherapie, sondern geprüfte Anwendungen, die verordnet und erstattet werden können. Welche gelistet sind, steht im Verzeichnis des BfArM.

Psychotherapie, Beratung, Coaching: die Abgrenzung

Welche Bezeichnungen geschützt sind – und welche nicht

„Psychotherapeut“ und „Psychotherapeutin“ sind gesetzlich geschützt und an eine Approbation gebunden, also an eine staatlich geregelte Ausbildung mit Prüfung. „Psychologe“ setzt ein abgeschlossenes Psychologiestudium voraus, sagt aber nichts über eine therapeutische Qualifikation. „Coach“, „Berater:in“ oder „Beziehungsexpert:in“ darf sich grundsätzlich jede Person nennen. Heilpraktiker:innen für Psychotherapie haben eine auf dieses Gebiet eingeschränkte Heilkundeerlaubnis, rechnen aber nicht mit der gesetzlichen Krankenkasse ab.

Angebotsform Wer es anbieten darf Bezeichnung geschützt? Wofür es gedacht ist Kassenleistung?
Richtlinienpsychotherapie Approbierte psychologische und ärztliche Psychotherapeut:innen Ja, Approbation nötig Behandlung einer diagnostizierten psychischen Erkrankung Ja, bei Kassensitz oder über die Kostenerstattung
Psychotherapie außerhalb der Richtlinienverfahren Approbierte Behandelnde oder Heilpraktiker:innen Teilweise, je nach Qualifikation Behandlung nach einem Ansatz außerhalb der Richtlinie In der Regel nein
Heilpraktiker:in für Psychotherapie Personen mit amtlicher Überprüfung Ja, erlaubnispflichtig Heilkundliche Tätigkeit im Gebiet der Psychotherapie Nein
Psychologische Beratung / Counseling Kein einheitlich geregelter Zugang Nein Orientierung und Entlastung ohne Krankheitswert Nein
Coaching Kein geregelter Zugang Nein Arbeit an Zielen, Rollen und Entscheidungen Nein
Präventionskurs nach § 20 SGB V Anbieter mit Prüfsiegel der Zentralen Prüfstelle Prävention Nein, geprüft ist der Kurs Vorbeugung, etwa Stressbewältigung – keine Behandlung Bezuschussung, keine Krankenbehandlung

Was Beratung leisten kann und was nicht

Beratung kann entlasten, Orientierung geben und eine Wartezeit überbrücken. Nicht leisten kann sie Diagnostik nach fachlichen Standards und Behandlung im Sinne des Sozialrechts. Bei einer behandlungsbedürftigen Erkrankung ersetzt ein niedrigschwelliges Beratungsangebot keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Die dritte Kategorie ist Prävention: detoxi etwa ist ein zertifizierter Präventionskurs gegen digitalen Stress nach § 20 SGB V für 99,99 €, den die Kassen meist zu 80–100 % erstatten – Vorbeugung und ausdrücklich keine Therapie.

Vom Verfahren zum Termin: Sprechstunde, Probatorik, Antrag

Der Weg in fünf Schritten

  1. Psychotherapeutische Sprechstunde. Hier wird geklärt, ob Behandlungsbedarf besteht; das Ergebnis bekommst du schriftlich auf dem Formular PTV 11. Termine vermittelt die Terminservicestelle unter 116 117.
  2. Ärztlicher Konsiliarbericht. Eine Haus- oder Fachärztin klärt vor Behandlungsbeginn ab, ob körperliche Ursachen beteiligt sind.
  3. Probatorische Sitzungen. In der Regel zwei bis vier Termine (bei der analytischen Psychotherapie mehr). Hier fällt die Verfahrensentscheidung – und hier prüfst du, ob die Zusammenarbeit stimmig ist.
  4. Antrag bei der Krankenkasse. Den stellt die Praxis; beantragt wird meist zunächst eine Kurzzeittherapie, die in eine Langzeittherapie überführt werden kann.
  5. Behandlung und Verlängerung. Reicht das Kontingent nicht, ist eine Erweiterung auf Antrag möglich. Die verbindlichen Sitzungszahlen stehen in der Psychotherapie-Richtlinie.

Was die Kasse übernimmt – und wann

Übernommen wird eine Richtlinienpsychotherapie bei approbierten Psychotherapeut:innen mit Kassensitz – auch als Videosprechstunde. Findest du trotz nachweislicher Suche keinen Kassenplatz in zumutbarer Zeit, kommt das Kostenerstattungsverfahren nach § 13 Abs. 3 SGB V infrage, über das auch eine Privatpraxis erstattet werden kann. Die Details stehen im Ratgeber dazu, wann die Krankenkasse Online-Therapie übernimmt.

Welches Verfahren passt zu dir? Fragen statt Rangliste

Weil es keine Rangliste gibt, hilft eine Zuordnungstabelle nicht weiter – wohl aber ein paar ehrliche Fragen. Sie ersetzen keine fachliche Einschätzung, geben dir aber Sprache für die Sprechstunde:

  • Struktur oder Verstehen? Arbeitest du lieber mit Übungen für den Alltag – oder willst du verstehen, woher ein wiederkehrendes Muster kommt?
  • Wie viel Zeit hast du wirklich? Ein Termin pro Woche ist etwas anderes als mehrere. Rechne Anfahrt, Arbeitszeit und Betreuungsaufgaben mit ein.
  • Sollen Bezugspersonen dabei sein? Wenn dein Anliegen eng mit Familie oder Partnerschaft zusammenhängt, ist das Setting eine relevante Frage.
  • Begrenzt oder offen? Willst du auf ein umrissenes Ziel hinarbeiten – oder brauchst du einen offener angelegten Prozess?
  • Wie wichtig ist die Kassenfinanzierung? Soll alles über die Kasse laufen, engt das die Auswahl auf die vier Richtlinienverfahren ein.

Entschieden wird gemeinsam mit der Fachperson in Sprechstunde und Probatorik. Und eines ist erfahrungsgemäß mindestens so wichtig wie das Etikett des Verfahrens: ob du dich bei der behandelnden Person aufgehoben fühlst und offen sprechen kannst. Stimmt das nicht, ist ein Wechsel legitim.

Welche Verfahren lassen sich online umsetzen – und wo sind die Grenzen?

Richtlinienpsychotherapie darf als Videosprechstunde stattfinden, wenn sie von approbierten Psychotherapeut:innen mit Kassensitz erbracht wird. Für einzelne Bausteine wie Sprechstunde und probatorische Sitzungen gelten besondere Vorgaben, die sich immer wieder ändern – frag im Zweifel in der Praxis nach.

Verfahren Was sich per Video gut umsetzen lässt Wo es an Grenzen stößt
Verhaltenstherapie Strukturierte Sitzungen, Psychoedukation, Arbeitsblätter, Besprechen von Übungen Exposition in realen Situationen, die eine Begleitung vor Ort erfordert
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie Das Gespräch im Sitzen, ohnehin das zentrale Medium des Verfahrens Feine nonverbale Signale kommen eingeschränkter an; ein ungestörter Raum ist Voraussetzung
Analytische Psychotherapie Einzelne Sitzungen, wenn die Behandelnden das für vertretbar halten Hochfrequente Settings und die Arbeit im Liegen lassen sich digital kaum abbilden
Systemische Therapie Gesprächsbasierte Arbeit, Zuschalten von Bezugspersonen an anderen Orten Größere Mehrpersonensettings werden unübersichtlich; raumbezogene Arbeitsformen fehlen

Unabhängig vom Verfahren gilt dieselbe Grenze: Bei akuten Krisen, Gedanken an Selbst- oder Fremdgefährdung, schweren Verläufen und ohne ungestörten Raum zu Hause ist ein Videoformat nicht das richtige Setting. Auch bei ausgeprägtem Vermeidungsverhalten kann eine Behandlung Präsenzanteile brauchen – siehe Online-Therapie bei Angststörungen.

Online-Angebote im Überblick: was sie tatsächlich leisten

Approbierte Behandlung per Video

Beavivo arbeitet mit approbierten Therapeut:innen, bietet ein kostenloses Infogespräch und einen kurzfristigen Start; die Kosten trägst du in der Regel selbst – Details bei Beavivo im Testbericht. Instahelp vermittelt nach Anbieterangaben über 400 Psycholog:innen ohne Wartezeit, per Video, Telefon oder Livechat; der Ablauf steht bei Instahelp im Testbericht.

Strukturierte Selbstlernprogramme

Online-Therapy.com ist ein Selbstlernprogramm auf Basis der kognitiven Verhaltenstherapie: Module, Arbeitsblätter, Journal und eine wöchentliche Live-Sitzung. Wichtig vor der Buchung: Programm und Begleitung laufen auf Englisch. Laut Anbieter sind im ersten Monat 20 % Rabatt enthalten, mehr bei Online-Therapy.com im Testbericht. Für Paare gibt es mit PaarBalance ein deutschsprachiges Selbstlernprogramm mit kostenlosem Beziehungstest, Standard 59 € pro Monat – Beziehungsarbeit ist keine Kassenleistung. Unsere Einschätzung: PaarBalance im Test.

Beratungsangebote wie BetterHelp

BetterHelp ist eine Beratungsplattform: Nach einem Fragebogen wirst du mit einer Berater:in gematcht, in der Regel innerhalb von 48 Stunden, und arbeitest per Nachricht, Telefon oder Video. Nach Anbieterangaben stehen über 30.000 qualifizierte Berater:innen bereit, davon rund 900 deutschsprachige; die Kosten liegen laut Anbieter bei 45–90 € pro Woche. Einzuordnen ist das Angebot als Beratung, nicht als Krankenbehandlung – eine Erstattung durch die gesetzliche Krankenkasse gibt es nicht. Mehr in unserer ausführlichen Einordnung zu BetterHelp.

Für alle gilt: Beratungs- und Selbstlernangebote können entlasten und eine Wartezeit überbrücken, ersetzen bei einer behandlungsbedürftigen Erkrankung aber keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Offengelegt ist auch, nach welchen Kriterien wir Anbieter bewerten.

Häufige Fragen zu Therapieformen

Welche Therapieformen bezahlt die gesetzliche Krankenkasse?

Erstattungsfähig sind die vier Richtlinienverfahren: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie und systemische Therapie. Voraussetzung sind eine entsprechende Diagnose, eine approbierte behandelnde Person und die Bewilligung der Kasse. Andere Ansätze sind meist Selbstzahlerleistungen.

Was ist der Unterschied zwischen Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie?

Die Verhaltenstherapie setzt an aktuellen Denk- und Verhaltensmustern an und arbeitet mit Struktur und Übungen für den Alltag. Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie fragt nach unbewussten Konflikten hinter den Beschwerden und arbeitet vor allem im Gespräch.

Welche Therapieform ist die beste?

Diese Frage beantworten wir bewusst nicht. Alle vier Richtlinienverfahren sind gleichermaßen anerkannt, eine offizielle Rangliste gibt es nicht. Welches Verfahren passt, hängt von Anliegen, Arbeitsweise und Lebenssituation ab und wird fachlich geklärt.

Wie viele Sitzungen umfasst eine Psychotherapie?

Das hängt vom Verfahren ab: Eine Kurzzeittherapie umfasst in der Regel bis zu 24 Sitzungen, eine Langzeittherapie deutlich mehr – am meisten in der analytischen Psychotherapie. Eine Erweiterung ist auf Antrag möglich; verbindlich ist die Psychotherapie-Richtlinie.

Kann ich mir das Verfahren selbst aussuchen?

Du hast ein Mitspracherecht und kannst Wünsche äußern. Entschieden wird in den probatorischen Sitzungen gemeinsam mit der behandelnden Person – oft mitbestimmt davon, welche Verfahren in deiner Region freie Plätze haben.

Ist EMDR eine eigene Therapieform?

Nein. EMDR ist eine Methode, die bei der Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung bei Erwachsenen innerhalb der Richtlinienverfahren angewandt wird – die Behandlung läuft weiterhin als VT, TP oder AP.

Was ist der Unterschied zwischen Psychotherapie, psychologischer Beratung und Coaching?

Psychotherapie ist Krankenbehandlung durch approbierte Fachpersonen, die Berufsbezeichnung ist geschützt. Beratung und Coaching richten sich an Anliegen ohne Krankheitswert, haben keinen geregelten Zugang, sind keine Kassenleistung und ersetzen keine Behandlung.

Welche Therapieformen lassen sich online umsetzen?

Gesprächsbasierte und strukturierte Anteile aller vier Verfahren lassen sich per Video gut abbilden. An Grenzen stoßen hochfrequente Settings, Expositionen in realen Situationen und größere Mehrpersonensettings. Bei akuten Krisen ist ein digitales Format nicht geeignet.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der Orientierung und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Online-Angebote sind kein Notfalldienst. Wenn du dich in einer akuten Krise befindest oder Gedanken hast, dir oder anderen etwas anzutun, wende dich bitte sofort an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr), an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder im Notfall an den Notruf 112.