Selbstwertgefühl stärken: Woher Selbstzweifel kommen und was hilft
Zuletzt aktualisiert am
Geringes Selbstwertgefühl verstehen: woher Selbstzweifel kommen, welche Ansätze daran arbeiten, sechs konkrete Übungen und wann fachliche Hilfe nötig ist.
Anzeige: Als Affiliate-Partner erhalten wir eine Vergütung, wenn du Produkte oder Dienstleistungen über die bereitgestellten Links erwirbst. Für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten. Instahelp und Beavivo vergüten uns nicht.
Es gibt Tage, an denen äußerlich alles läuft – und trotzdem bleibt das Gefühl, nicht zu genügen. Ein Lob rutscht ab, eine beiläufige Bemerkung hängt tagelang nach, und im Kopf läuft ein Vergleich, der nie zu deinen Gunsten ausgeht. Ein geringes Selbstwertgefühl ist kein Charakterfehler und keine Diagnose, sondern ein gelerntes Erlebensmuster – und daran lässt sich arbeiten. Dieser Artikel erklärt, woher Selbstzweifel kommen, welche Ansätze daran ansetzen, welche Übungen du selbst ausprobieren kannst und ab wann eine fachliche Einordnung sinnvoll ist. Suchst du Unterstützung, hilft dir unser Vergleich der Online-Therapie-Anbieter.
Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein – was ist was?
Die drei Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen. Das Selbstwertgefühl beschreibt, wie du dich als Person insgesamt bewertest – ob du dich für grundsätzlich in Ordnung und liebenswert hältst, unabhängig von deiner Leistung. Selbstvertrauen meint enger gefasst das Zutrauen in konkrete Fähigkeiten: Du kannst dir eine Präsentation zutrauen, ohne dich als Mensch wertvoll zu erleben. Selbstbewusstsein meint umgangssprachlich souveränes Auftreten, fachlich das Bewusstsein über sich selbst. Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, mit dem eigenen Handeln etwas bewirken zu können.
Warum die Unterscheidung im Alltag hilft
Sie erklärt, warum gut gemeinte Ratschläge ins Leere laufen. Wer souverän auftritt, kann trotzdem überzeugt sein, im Kern nicht zu genügen – bei manchen Menschen ist genau dieses Auftreten die Kompensation. Tipps zu Haltung und Stimme setzen dann an der falschen Stelle an. Selbstwertarbeit zielt nicht auf die Außenwirkung, sondern auf die Bewertung, die du über dich selbst gelernt hast.
Geringes Selbstwertgefühl ist keine Diagnose – und trotzdem relevant
Ein geringes Selbstwertgefühl ist kein eigenständiges Krankheitsbild. Es steht in den gängigen Klassifikationssystemen nicht als Diagnose, und es gibt keinen Wert, ab dem ein Selbstwert offiziell als zu niedrig gilt. Es ist ein Erlebensmuster, das viele Menschen in unterschiedlicher Ausprägung kennen und das sich im Lauf des Lebens verändern kann. Wer sich hier wiedererkennt, ist nicht automatisch behandlungsbedürftig.
Wann Selbstwert zum Risikofaktor wird
Gleichzeitig taucht ein vermindertes Selbstwertgefühl in der Beschreibung depressiver Beschwerden regelmäßig als Begleiterscheinung auf, und die Angst vor negativer Bewertung gilt als Kernmerkmal sozialer Ängstlichkeit. Geringer Selbstwert wird deshalb sowohl als möglicher Risikofaktor als auch als mögliche Folge diskutiert; eine einfache Ursache-Wirkungs-Kette lässt sich daraus nicht ableiten. Selbstzweifel allein sind kein Grund zur Sorge. Kommen anhaltende Niedergeschlagenheit oder starke Angst vor sozialen Situationen dazu, lohnt der Blick auf das größere Bild – Hintergründe dazu auf unseren Seiten zur Online-Therapie bei Depressionen und zur Online-Therapie bei Angststörungen.
Woran du geringen Selbstwert im Alltag erkennst
Geringer Selbstwert zeigt sich selten als klarer Gedanke „Ich bin nichts wert", sondern in Verhalten, das von außen unauffällig wirkt: Du wehrst Lob ab, weil du es dir nicht zurechnen kannst. Einen kritischen Satz aus dem Meeting trägst du tagelang mit dir herum, während die anderen ihn längst vergessen haben. Erfolge schiebst du auf günstige Umstände, Fehler auf dich als Person. Manche machen sich klein, andere kompensieren mit Leistung – beides kann derselben Überzeugung entspringen.
Auch enge Beziehungen sind betroffen: ständiges Rückversichern, Schwierigkeiten damit, eigene Bedürfnisse anzumelden, das Gefühl, sich Zuneigung verdienen zu müssen. Belastet das eure Partnerschaft dauerhaft, kann eine gemeinsame Beratung sinnvoller sein als der Versuch, es allein zu lösen – mehr dazu im Beitrag zur Online-Paartherapie.
Die folgende Übersicht ist ausdrücklich kein Test und keine Checkliste zum Abhaken – eine Einordnung kann nur Fachpersonal vornehmen. Sie hilft dir lediglich, Muster zu benennen.
| Lebensbereich | Typisches Muster | Was dahinterstecken kann |
|---|---|---|
| Arbeit & Studium | Ergebnisse immer wieder überarbeiten, sich nicht auf Stellen bewerben, für die man „noch nicht bereit" ist | Die Annahme, nur fehlerfreie Leistung mache einen akzeptabel |
| Freundschaften & Beziehungen | Sich anpassen, Konflikte umgehen, sich für die eigene Anwesenheit fast entschuldigen | Die Sorge, ohne Anpassung nicht gemocht oder verlassen zu werden |
| Umgang mit Kritik | Eine sachliche Rückmeldung wird als Urteil über die Person gehört und tagelang gedanklich wiederholt | Kein Unterschied zwischen „Das war nicht gut" und „Ich bin nicht gut" |
| Umgang mit Lob & Erfolg | Komplimente relativieren, Erfolge auf Glück, Zufall oder Nachsicht anderer schieben | Positives passt nicht ins eigene Selbstbild und wird deshalb entwertet |
| Entscheidungen & Grenzen setzen | Zusagen, obwohl der Kalender voll ist; Entscheidungen aufschieben oder an andere abgeben | Eigene Bedürfnisse werden als weniger berechtigt erlebt als die der anderen |
| Körper & Auftreten | Fotos meiden, sich in Gruppen wenig sichtbar machen, den eigenen Körper prüfend beobachten | Der Wert der Person wird an Aussehen und Außenwirkung gekoppelt |
| Soziale Medien | Langes Scrollen, danach schlechtere Stimmung; Beiträge löschen, wenn Reaktionen ausbleiben | Ständiger Vergleich mit ausgewählten Ausschnitten fremder Leben |
Woher geringes Selbstwertgefühl kommt
Selbstwert ist keine angeborene Eigenschaft, sondern das Ergebnis von Erfahrungen: Aus vielen einzelnen Rückmeldungen entsteht eine Überzeugung darüber, wer man ist. Das erklärt, warum sie sich so wahr anfühlt – sie ist gut gelernt.
Frühe Lernerfahrungen
Prägend sind wiederkehrende Erfahrungen in Kindheit und Jugend: ob Zuwendung an Bedingungen geknüpft war, ob Fehler als normal oder als Anlass für Beschämung behandelt wurden, ob Leistung der Hauptmaßstab war. Wer vor allem für Ergebnisse gelobt wurde, lernt, dass der eigene Wert an Ergebnisse gebunden ist. Dazu kommen Normen von außen: Noten, Körperbilder, Rollenerwartungen.
Kritische Erfahrungen im Verlauf
Selbstwert kann auch später Risse bekommen: durch Mobbing in Schule oder Job, Ausgrenzung, eine Kündigung, eine Trennung oder anhaltende Überforderung. Belastende oder gewaltvolle Erfahrungen gehören allerdings nicht in die Selbsthilfe. Wenn dich Erinnerungen daran verfolgen oder du bestimmte Situationen konsequent meidest, ist das ein Fall für fachliche Abklärung – die Übungen weiter unten sind dafür nicht gedacht. Behandlungswege beschreibt unser Beitrag zur Online-Therapie bei PTBS.
Bedingter Selbstwert: „Nur wenn ich …"
Daraus entsteht oft ein bedingter Selbstwert: Der eigene Wert wird an Leistung, Aussehen, Zustimmung oder Nützlichkeit gekoppelt. Solange die Bedingung erfüllt ist, wirkt alles stabil. Fällt sie weg, bricht das Selbstbild ein. Das erklärt, warum ein einziger schlechter Arbeitstag so viel auslösen kann – und genau an dieser Kopplung setzt die Arbeit an.
Der innere Kritiker und die Grundannahmen dahinter
In der kognitiven Verhaltenstherapie werden mehrere Ebenen unterschieden. Ganz unten liegen Grundannahmen über die eigene Person, kurz und absolut formuliert: „Ich genüge nicht." „Ich bin nicht liebenswert." Darüber liegen Regeln, die diese Annahme erträglich machen sollen: „Nur wenn ich perfekt bin, bin ich okay." Und ganz oben stehen die automatischen Gedanken, die in konkreten Situationen auftauchen – blitzschnell, ungefragt und meist so selbstverständlich, dass sie sich nicht wie eine Meinung anfühlen, sondern wie eine Tatsache.
Von der Grundannahme zum automatischen Gedanken
Der innere Kritiker ist die Stimme, die diese Gedanken formuliert. Er klingt oft nach jemandem – nach einem Elternteil, einer Lehrkraft, einer früheren Chefin. Das ist kein Zufall: Die Stimme ist erlernt, sie ist keine objektive Instanz und kein Beweis für ihren Inhalt. Es geht nicht darum, sie zum Schweigen zu bringen, sondern darum, ihr nicht automatisch zu glauben.
Typische Denkfallen
Bestimmte Verzerrungen tauchen bei geringem Selbstwert häufig auf. Schwarz-Weiß-Denken: Was nicht sehr gut ist, gilt als Versagen. Übergeneralisierung: Aus einem misslungenen Gespräch wird „Ich kann das nicht". Gedankenlesen: Du bist überzeugt, dein Gegenüber finde dich langweilig. Abwerten des Positiven: Das Lob war nur Höflichkeit. Personalisierung: Die schlechte Laune der Kollegin muss mit dir zu tun haben. Sollte-Sätze: „Ich müsste das längst können." Diese Muster zu erkennen, macht sie nicht leiser – aber es schafft Abstand.
Vergleichen in sozialen Medien: der digitale Sonderfall
Sich zu vergleichen ist normal und in Maßen nützlich. Problematisch wird der ständige Aufwärtsvergleich: Dein ungefilterter Alltag tritt gegen die ausgewählten Höhepunkte anderer an. Die Forschungslage gilt als uneinheitlich; entscheidend scheint weniger die Zeit an sich zu sein als das Nutzungsverhalten – passives Durchscrollen wird anders erlebt als aktiver Austausch.
Praktisch hilft es vielen, den Feed auszumisten, statt nur die Nutzungsdauer zu begrenzen: Accounts stummschalten, die zuverlässig ein schlechtes Gefühl hinterlassen. Ebenso lohnt der Blick auf den Anlass – greifst du zum Handy aus Langeweile oder weil es dir ohnehin schlecht geht? Wenn Scrollen und Vergleichen bei dir ein starker Treiber ist, kann ein Kurs zum Umgang mit digitalem Stress ein Baustein sein: Der Präventionskurs detoxi gegen digitalen Stress ist ZPP-zertifiziert nach § 20 SGB V, kostet 99,99 € und wird von den Krankenkassen zu 80 bis 100 % erstattet.
Diese Ansätze arbeiten an geringem Selbstwert
Für die Arbeit am Selbstwert gibt es kein einzelnes Verfahren, sondern eine Reihe etablierter Bausteine, die in Beratung und Psychotherapie kombiniert werden. Sie setzen an unterschiedlichen Stellen an: an den Gedanken, an den zugrunde liegenden Überzeugungen, an der Haltung sich selbst gegenüber und am Verhalten. Teile davon lassen sich auch allein ausprobieren – das ersetzt keine fachliche Begleitung, kann aber ein Einstieg sein.
| Ansatz | Woran er ansetzt | So sieht das konkret aus | Eher passend, wenn … |
|---|---|---|---|
| Kognitive Umstrukturierung | An automatischen Gedanken in konkreten Situationen | Gedanken aufschreiben, prüfen, was dafür und dagegen spricht, und einen realistischeren Satz formulieren | … du dich in wiederkehrenden Selbstvorwürfen verfängst und sie bisher nie hinterfragt hast |
| Arbeit an Grundannahmen | An den tief liegenden Überzeugungen über die eigene Person | Die eigene Grundannahme benennen, ihre Entstehungsgeschichte nachzeichnen, über längere Zeit Gegenbeweise sammeln | … sich das Gefühl, nicht zu genügen, durch alle Lebensbereiche zieht |
| Selbstmitgefühl | An der Haltung, mit der du dir selbst begegnest | Selbstfreundlichkeit statt Selbstkritik üben, das gemeinsame Menschsein anerkennen, den Moment achtsam wahrnehmen | … der Ton in deinem Kopf härter ist als alles, was du zu einer nahestehenden Person sagen würdest |
| Verhaltensexperimente | An Befürchtungen, die nie überprüft wurden | Eine Erwartung vorher notieren, die gemiedene Situation gezielt aufsuchen, hinterher abgleichen | … du viele Situationen meidest und dadurch nie erfährst, ob deine Befürchtung zutrifft |
| Ressourcen- und Stärkenarbeit | An dem, was ohnehin da ist, aber übersehen wird | Fähigkeiten, Werte, bewältigte Situationen und Rückmeldungen anderer systematisch sammeln | … du auf die Frage nach deinen Stärken spontan keine Antwort hast |
| Achtsamkeit & Distanz zu Gedanken | An der Verschmelzung mit dem eigenen Denken | Gedanken als Gedanken benennen („Da ist wieder der Gedanke, dass …") statt sie als Tatsache zu behandeln | … du viel grübelst und dich in Gedankenschleifen verlierst |
| Grenzen setzen & soziale Kompetenz | Am konkreten Verhalten gegenüber anderen | Wünsche und Absagen in kleinen Schritten üben, zunächst in wenig riskanten Situationen | … du dauernd zusagst, obwohl du nicht willst, und dich hinterher über dich ärgerst |
Übungen, die du selbst ausprobieren kannst
Die folgenden sechs Übungen stammen aus der kognitiven Verhaltenstherapie und aus der Arbeit mit Selbstmitgefühl. Wichtiger als die Auswahl ist die Regelmäßigkeit – und die Bereitschaft, schriftlich zu arbeiten, weil Gedanken auf Papier überprüfbarer werden als im Kopf.
Das Gegenbeweis-Tagebuch
Notiere täglich drei Beobachtungen, die deiner Grundannahme widersprechen – bewusst auch kleine: Jemand hat sich bedankt, du hast eine aufgeschobene Aufgabe erledigt. Es geht nicht um große Erfolge, sondern um Belege, die dein Denken sonst automatisch aussortiert. Die Übung lebt von der Wiederholung über Wochen.
Den inneren Kritiker aufschreiben
Führe ein Gedankenprotokoll mit fünf Spalten: Situation, Gedanke, Gefühl, Verhalten – und daneben ein realistischerer Alternativsatz. Wichtig ist, dass dieser Satz kein Positiv-Spruch ist, sondern ein Realitätscheck: nicht „Ich bin großartig", sondern „Die Präsentation hatte schwache Stellen, und drei Punkte kamen gut an."
Die Freundes-Frage: Perspektivwechsel
Wenn du dich gerade selbst zerlegst, halte inne und stelle eine einzige Frage: Was würde ich einer Freundin oder einem Freund in genau dieser Lage sagen? Schreib die Antwort auf und lies sie dir durch. Der Unterschied zwischen beiden Tonlagen ist oft erstaunlich groß – und genau er ist der eigentliche Befund.
Die Selbstmitgefühls-Pause
Eine kurze Übung für belastende Momente, in drei Schritten: Benenne den Moment – „Das ist gerade schwer." Erkenne das gemeinsame Menschsein an – „Andere kennen solche Momente auch." Und richte einen freundlichen Satz an dich selbst, den du auch einer nahestehenden Person sagen würdest.
Das kleine Verhaltensexperiment
Wähle eine Befürchtung, die du bisher nur vermutest: „Wenn ich im Meeting nachfrage, halten mich alle für begriffsstutzig." Notiere vorher, was du erwartest und wie wahrscheinlich du es hältst. Dann suchst du die Situation gezielt auf und gleichst hinterher ab, was tatsächlich passiert ist. Fang klein an.
Das Stärken- und Werte-Inventar
Leg eine Liste mit drei Bereichen an: Was kann ich? Was ist mir wichtig? Was habe ich schon bewältigt? Wenn dir wenig einfällt, frag zwei Menschen, die dich gut kennen, was sie an dir schätzen – und schreib es wörtlich auf, auch wenn du es gerade nicht unterschreiben würdest.
Diese Übungen sind kein Ersatz für fachliche Unterstützung und kein Programm mit Enddatum. Wenn sich das Ganze in Druck verwandelt oder es dir dabei schlechter geht statt besser, ist das ein Signal zum Innehalten.
Wann du das fachlich abklären lassen solltest
Selbstzweifel gehören zum Leben. Es gibt allerdings Signale, bei denen es nicht mehr um Selbstwertarbeit geht, sondern um eine fachliche Einordnung: Rückzug von Menschen, die dir wichtig sind; Antriebslosigkeit über Wochen; anhaltende Freudlosigkeit oder Hoffnungslosigkeit; Veränderungen bei Schlaf oder Appetit; ausgeprägte Vermeidung sozialer Situationen; auffälliges Essverhalten oder Selbstverletzung. Auch das Gefühl, für andere eine Last zu sein, gehört besprochen.
Der erste Weg führt über die Hausarztpraxis, die körperliche Ursachen ausschließen und weiterverweisen kann. Psychotherapeutische Praxen bieten außerdem eine Sprechstunde an, in der geklärt wird, ob eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt. Termine dafür vermittelt die Terminservicestelle unter 116 117. Worum es bei den häufigsten Konstellationen geht, erklären wir auf den Seiten zur Online-Therapie bei Depressionen und zur Online-Therapie bei Angststörungen.
Beratung, Coaching oder Psychotherapie – was passt zu deinem Anliegen?
Psychotherapie ist die Behandlung psychischer Erkrankungen und darf nur von approbierten Fachpersonen erbracht werden. Sie setzt eine Diagnose voraus; erst dann ist sie eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Psychologische Beratung und Coaching sind dagegen keine Heilbehandlung. Sie richten sich an Belastungen und Lebensfragen, arbeiten oft mit ähnlichen Methoden, stellen aber keine Diagnosen.
Für das Thema Selbstwert folgt daraus eine unbequeme, aber ehrliche Konsequenz: Ein geringes Selbstwertgefühl allein ist typischerweise ein Beratungsanliegen und begründet keinen Anspruch auf eine Kassenleistung, weil es keine Diagnose ist. Sobald eine behandlungsbedürftige Erkrankung festgestellt ist, führt der Weg über die Regelversorgung, und die Kostenfrage stellt sich neu. Die Abläufe erklärt unser Beitrag zur Kostenerstattung durch die Krankenkasse.
Online-Angebote, bei denen Selbstwert ein Thema sein kann
BetterHelp: Selbstwert als Beratungsanliegen
BetterHelp ist ein Beratungsangebot (Counseling) und keine Richtlinienpsychotherapie. Für Menschen, die an Selbstzweifeln und Selbstkritik arbeiten möchten, ohne dass eine Erkrankung im Raum steht, ist das ein passender Rahmen: Selbstwert kann dort über mehrere Gespräche hinweg ein eigenes Thema sein, statt nebenbei mitzulaufen. Nach Angaben des Anbieters arbeiten über 30.000 qualifizierte Berater:innen für die Plattform, davon rund 900 deutschsprachig; das Matching erfolgt in der Regel innerhalb von 48 Stunden. Die Kosten liegen laut Anbieter bei 45 bis 90 € pro Woche, eine Kassenerstattung gibt es nicht. Details zu Anmeldung und Ablauf findest du bei BetterHelp und in unserem Bericht zu BetterHelp im Testbericht.
Weitere Angebote im Überblick
Daneben gibt es Anbieter mit anderem Zuschnitt – von der Begleitung durch Psychotherapeut:innen bis zum strukturierten Selbstlernprogramm, das methodisch nah an den beschriebenen Übungen liegt.
| Anbieter | Wobei es ansetzt | Format | Wer begleitet | Mehr dazu |
|---|---|---|---|---|
| Instahelp | Themen, die du im Gespräch bearbeiten möchtest – auch Selbstzweifel und der Umgang mit Kritik | Video, Telefon und Livechat | Über 400 Psycholog:innen, ohne Wartezeit | Instahelp im Testbericht |
| Beavivo | Anliegen, die du zunächst unverbindlich klären möchtest, bevor du dich festlegst | Online-Sitzungen nach kostenlosem Infogespräch, kurzfristiger Start | Approbierte Therapeut:innen | Beavivo im Testbericht |
| Online-Therapy.com | Strukturiertes Arbeiten mit Gedankenprotokollen und Übungen. Hinweis: Programm und Begleitung laufen auf Englisch | KVT-Selbstlernprogramm mit Arbeitsblättern, Journal und Live-Sitzung | Begleitung über die Plattform; laut Anbieter 20 % Rabatt im ersten Monat | Online-Therapy.com im Testbericht |
Welche Kriterien wir anlegen, legen wir in unserer Bewertungsmethodik offen. Alle geprüften Anbieter findest du im Vergleich der Online-Therapie-Anbieter.
Was Online-Unterstützung leisten kann – und was nicht
Regelmäßige Gespräche leisten vor allem zweierlei. Erstens machen sie Muster sichtbar, die man allein übersieht: Der wiederkehrende Satz „Ich hätte das besser machen müssen" fällt einem Gegenüber schneller auf als einem selbst. Zweitens helfen feste Termine beim Dranbleiben, weil Selbstwertarbeit aus vielen kleinen Wiederholungen besteht.
Was Online-Unterstützung nicht leistet: Sie nimmt dir die Übung nicht ab; die eigentliche Arbeit findet zwischen den Terminen statt. Und Veränderung verläuft nicht linear – auf gute Wochen folgen Rückschritte, ohne dass etwas schiefgelaufen wäre. Wichtig bleibt: Ein niedrigschwelliges Beratungsangebot ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, wenn eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt.
Häufige Fragen zum Selbstwertgefühl
Was ist der Unterschied zwischen Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein?
Das Selbstwertgefühl beschreibt, wie du dich als Person insgesamt bewertest – ob du dich für grundsätzlich in Ordnung hältst. Selbstbewusstsein meint umgangssprachlich souveränes Auftreten, fachlich das Bewusstsein über sich selbst. Beides fällt oft auseinander: Man kann souverän wirken und trotzdem überzeugt sein, im Kern nicht zu genügen.
Ist ein geringes Selbstwertgefühl eine psychische Erkrankung?
Nein. Es ist keine Diagnose und steht in den gängigen Klassifikationssystemen nicht als eigenständiges Krankheitsbild. Ein geringes Selbstwertgefühl kann aber als Begleiterscheinung psychischer Erkrankungen auftreten und wird als möglicher Risikofaktor diskutiert. Ob mehr dahintersteckt, kann nur eine fachliche Abklärung einordnen.
Kann man sein Selbstwertgefühl als Erwachsener überhaupt noch verändern?
Selbstwert gilt fachlich nicht als feste Eigenschaft, sondern als etwas, das aus Erfahrungen entstanden ist und sich im Lauf des Lebens verändern kann. Genau deshalb setzen Beratung und Psychotherapie daran an. Gelernte Überzeugungen sind allerdings stabil, weshalb Veränderung eher als geduldige Arbeit denn als schneller Umschwung beschrieben wird.
Wie lange dauert es, bis sich am Selbstwert etwas tut?
Dafür gibt es keine seriöse Zeitangabe. Wie schnell sich etwas verändert, hängt davon ab, wie lange ein Muster besteht, was es aufrechterhält und ob weitere Belastungen dazukommen. Sinnvoller als ein Zeitziel ist, auf kleine Verschiebungen zu achten: dass ein kritischer Gedanke früher auffällt oder kürzer nachhallt.
Mit welcher Übung fange ich am besten an?
Vielen Menschen fällt der Perspektivwechsel am leichtesten: Was würde ich einer nahestehenden Person in dieser Lage sagen? Die Frage braucht keine Vorbereitung und macht den Unterschied zwischen Selbstkritik und Freundlichkeit spürbar. Wer lieber schriftlich arbeitet, beginnt mit einem einfachen Gedankenprotokoll. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit.
Bringen positive Affirmationen etwas?
Das hängt davon ab, wie weit der Satz von der eigenen Überzeugung entfernt ist. Affirmationen, die dem stark widersprechen, was jemand über sich glaubt, fühlen sich für viele hohl an und lösen mitunter inneren Widerspruch aus. Realistischere Zwischensätze, die man selbst unterschreiben kann, gelten als tragfähiger.
Zahlt die Krankenkasse etwas, wenn ich wegen meines Selbstwerts Hilfe suche?
Ein geringes Selbstwertgefühl allein begründet keine Kassenleistung, weil es keine Diagnose ist. Eine Kostenübernahme setzt eine diagnostizierte, behandlungsbedürftige Erkrankung voraus, die in einer psychotherapeutischen Sprechstunde festgestellt wird. Beratung und Coaching zahlst du in der Regel selbst – Details unter Kostenerstattung durch die Krankenkasse.
Wann sollte ich mir fachliche Unterstützung holen, statt es allein zu versuchen?
Wenn zu den Selbstzweifeln Rückzug, anhaltende Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit oder Hoffnungslosigkeit dazukommen, wenn du soziale Situationen stark meidest oder dein Alltag darunter leidet, gehört das ärztlich oder psychotherapeutisch eingeordnet. Auch wenn Übungen dich zusätzlich unter Druck setzen, ist Unterstützung sinnvoller als weiteres Alleinprobieren.
Mein Kind zweifelt stark an sich – was kann ich tun?
Bei Kindern und Jugendlichen ist die Kinder- und Jugendarztpraxis die richtige erste Anlaufstelle; für eine genauere Einordnung sind Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen zuständig. Die hier beschriebenen Übungen sind für Erwachsene gedacht und nicht auf Minderjährige übertragbar.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, und die genannten Online-Angebote sind kein Notfalldienst. Wenn es dir akut schlecht geht oder du Gedanken daran hast, dir das Leben zu nehmen, hol dir bitte sofort Unterstützung: bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr), beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder im Notfall unter 112.