DiGA bei psychischen Beschwerden: App auf Rezept richtig nutzen
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DiGA bei psychischen Beschwerden: Was die App auf Rezept rechtlich ist, wie du sie über Verordnung oder Direktantrag bekommst und wer die Kosten trägt.
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„App auf Rezept“ klingt nach einem Download, ist aber ein Leistungsanspruch aus dem Sozialgesetzbuch. Eine digitale Gesundheitsanwendung – kurz DiGA – ist einer der wenigen Wege, der ohne lange Wartezeit und ohne eigene Rechnung offensteht.
Das Wichtigste in Kürze: DiGA bei psychischen Beschwerden
- Eine DiGA ist ein Medizinprodukt mit digitaler Hauptfunktion, gelistet im DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Nur was dort steht, ist eine DiGA.
- Für gesetzlich Versicherte trägt die Krankenkasse die Kosten nach § 33a SGB V, eine Zuzahlung fällt nicht an.
- Zwei Zugangswege: Verordnung durch eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis – oder Direktantrag bei der Kasse, wenn du die Indikation belegen kannst.
- Freigeschaltet wird über einen Code, den du von deiner Krankenkasse bekommst, nicht von der Praxis.
- Eine Anwendungsperiode ist in der Regel auf 90 Tage angelegt, eine Folgeverordnung ist möglich.
- Eine DiGA ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung und ist bei einer akuten Krise nicht das richtige Mittel.
Produktnamen und die Zahl der gelisteten Anwendungen nennen wir bewusst nicht – warum, steht weiter unten.
Was eine DiGA rechtlich ist – und was nicht
Medizinprodukt mit digitaler Hauptfunktion
Der Anspruch steht in § 33a SGB V, das Verfahren in § 139e SGB V. Eine DiGA ist danach ein Medizinprodukt niedriger Risikoklasse, dessen wesentliche Funktion auf digitalen Technologien beruht und dessen Zweck medizinisch ist: Erkennung, Überwachung, Behandlung oder Linderung einer Erkrankung. Sie ist für ein definiertes Anwendungsgebiet gebaut, das im Verzeichnis mit ICD-10-Code hinterlegt ist. „Digitale Hauptfunktion“ heißt: Das Programm selbst leistet die Arbeit – Software, die nur einen Videokanal zur Praxis öffnet, ist keine DiGA.
Gelistet im DiGA-Verzeichnis des BfArM
DiGA sind eine abgeschlossene Liste, keine Kategorie, in die man sich hineininterpretieren kann. Verbindlich ist allein der Eintrag im DiGA-Verzeichnis, das das BfArM führt und öffentlich zugänglich hält. Dort stehen je Anwendung Anwendungsgebiet, Altersgrenzen, Gegenanzeigen, Art der Aufnahme und die Angaben zur Datenverarbeitung. Es ist die einzige tagesaktuelle Quelle.
Keine DiGA: Meditations-, Stimmungs- und Tracking-Apps aus dem Store
Wirbt eine App mit „von Psycholog:innen entwickelt“ oder „von der Kasse erstattet“, sagt das nichts aus. Achtsamkeitsapps, Stimmungstagebücher, Schlaftracker und Coaching-Abos sind in aller Regel keine Medizinprodukte im Sinne des § 33a. Manche werden von einzelnen Kassen als freiwillige Satzungsleistung bezuschusst – anderer Topf, kein Rechtsanspruch. Dein Prüfkriterium bleibt simpel: Steht die Anwendung im BfArM-Verzeichnis?
Dauerhaft oder vorläufig aufgenommen – was der Unterschied bedeutet
Hersteller beantragen die Aufnahme in einem beschleunigten Verfahren beim BfArM. Geprüft werden zuerst die Grundanforderungen an das Medizinprodukt, an Qualität, Interoperabilität sowie an Datenverarbeitung und Informationssicherheit. Dauerhaft aufgenommen wird eine Anwendung, wenn der Hersteller einen positiven Versorgungseffekt belegen konnte; gelingt das noch nicht, ist eine vorläufige Aufnahme zur Erprobung möglich, in der Regel über zwölf Monate.
Beide Varianten sind verordnungs- und erstattungsfähig. Eine vorläufig gelistete Anwendung kann aber wieder gestrichen werden, wenn der Nachweis am Ende nicht gelingt – eine Folgeverordnung wäre dann nicht mehr möglich. Unabhängig davon gilt: Ein positiver Versorgungseffekt im Zulassungsverfahren ist eine Aussage über eine untersuchte Gruppe, keine Zusage für deinen Verlauf.
Für welche psychischen Anwendungsgebiete es DiGA gibt
Der Bereich Psyche ist dicht besetzt. Die Übersicht zeigt die Anwendungsgebiete und das, was du im Verzeichnis nachlesen solltest.
| Anwendungsbereich | Woran du merkst, dass es dich betrifft | Typische Programminhalte | Worauf du im Verzeichnis achten solltest |
|---|---|---|---|
| Depressive Beschwerden | Gedrückte Stimmung, Antriebs- und Interessenverlust über Wochen | Psychoedukation, Aktivitätsaufbau, Arbeit an Denkmustern | Ist der Schweregrad eingeschlossen? Gegenanzeigen bei Suizidalität |
| Angst und Panik | Vermeidung, Panikattacken, ständige Sorgen | Angstmodelle, gestufte Konfrontation, Atemübungen | Welche Angstform ist abgedeckt? Altersgrenze |
| Schlafstörungen | Ein- und Durchschlafprobleme über Monate, nächtliches Grübeln | Schlafprotokoll, Schlaf-Wach-Rhythmus, Stimuluskontrolle | Manche Programme setzen eine körperliche Abklärung voraus |
| Belastungs- und Anpassungsreaktionen | Überforderung nach Trennung, Verlust, Umbruch | Einordnung, Bewältigungsstrategien, Alltagsstruktur | Abgrenzung zu Traumafolgestörungen |
| Essstörungen | Essanfälle, starke Beschäftigung mit Gewicht und Figur | Esstagebuch, Arbeit an Auslösern, Rückfallprophylaxe | Oft enge Ein- und Ausschlusskriterien |
| Chronische Schmerzen mit psychischer Komponente | Dauerschmerz plus Schonverhalten und Rückzug | Schmerzedukation, Aktivitätsdosierung, Entspannung | Diagnose muss ärztlich gesichert sein |
| Substanzbezogene Störungen | – | – | Auch hierfür bestehen Einträge; Voraussetzungen klärst du ärztlich |
Was in solchen Programmen typischerweise steckt
Die meisten Anwendungen sind verhaltenstherapeutisch orientiert und in Module gegliedert: ein erklärender Teil, eine Übung, eine Aufgabe für den Alltag, dazu Tagebuch- und Verlaufsfunktionen. Manche Programme sind unbegleitet, andere sehen eine Rückmeldung durch Fachkräfte vor. Sie funktionieren über Mitarbeit – wer die Module nicht bearbeitet, hat am Ende eine App auf dem Handy und sonst nichts. Zur Einordnung helfen die Seiten zur Online-Therapie bei Depressionen und zur Online-Therapie bei Angststörungen.
Warum wir hier bewusst keine Produktnamen nennen
Das Verzeichnis ist in Bewegung: Anwendungen kommen hinzu, wechseln von der Erprobung in die dauerhafte Aufnahme oder werden gestrichen. Eine Liste, die wir heute schreiben, wäre in einigen Monaten teilweise falsch. Achte im Verzeichnis stattdessen auf drei Felder: Anwendungsgebiet nach ICD-10, Altersgrenze, Gegenanzeigen.
DiGA, Online-Psychotherapie oder Präventionskurs? Die Abgrenzung
Hier bleiben die meisten Recherchen hängen, weil vier sehr unterschiedliche Angebote im Netz gleich aussehen. Sie unterscheiden sich in Rechtsgrundlage, Prüfung, Zweck – und darin, wer zahlt.
| Merkmal | DiGA (App auf Rezept) | Online-Psychotherapie per Videosprechstunde | Kommerzielle Beratungs- oder Selbstlernplattform | Präventionskurs nach § 20 SGB V |
|---|---|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 33a, § 139e SGB V | Psychotherapie-Richtlinie | Keine – privatrechtlicher Vertrag | § 20 SGB V |
| Wer prüft was | BfArM: Medizinprodukt, Datenverarbeitung, Versorgungseffekt | Approbation, Kassenzulassung, Qualitätsvorgaben | Niemand von außen | Zentrale Prüfstelle Prävention: Konzept, Kursleitung |
| Zweck | Behandlung, Linderung | Behandlung einer Diagnose | Beratung, Selbstlernen | Vorbeugung ohne Krankheitswert |
| Wer begleitet dich | Oft niemand persönlich, teils begleitet | Approbierte Psychotherapeut:innen | Je nach Anbieter Fachkräfte oder Programm | Kursleitung, meist ohne Einzelkontakt |
| Wer zahlt | Krankenkasse, keine Zuzahlung | Krankenkasse | Du selbst | Du zahlst vor, Zuschuss kassenindividuell |
| Zugang | Verordnung oder Direktantrag | Sprechstunde, Termin, ggf. über 116 117 | Anmeldung, sofort | Kurs buchen, Teilnahme nachweisen |
| Übliche Dauer | In der Regel 90 Tage | Monate, je nach Kontingent | Laufzeit des Abos | Mehrwöchiger Kurs |
| Nicht geeignet für | Akute Krisen, schwere Verläufe | Was Präsenz erfordert | Alles Kassenfinanzierte | Behandlungsbedürftige Erkrankungen |
Besteht Krankheitswert, gehören DiGA und Videosprechstunde in die erste Reihe, weil sie Kassenleistungen sind. Details dazu, wann die Krankenkasse Online-Therapie übernimmt, stehen im eigenen Ratgeber; wer Angebote abwägen will, findet den Vergleich der Online-Therapie-Anbieter.
Warum ein Präventionskurs nach § 20 SGB V keine DiGA ist
Ein Beispiel für die letzte Spalte ist detoxi, ein von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifizierter Kurs gegen digitalen Stress für 99,99 €, von dem je nach Kasse 80 bis 100 Prozent erstattet werden. Das ist ausdrücklich keine DiGA: § 20 SGB V regelt Prävention, § 33a die Behandlung. Bei der DiGA bekommst du eine Sachleistung ohne Zuzahlung, beim Präventionskurs trittst du in Vorleistung und erhältst einen Zuschuss, dessen Höhe deine Kasse selbst festlegt. Und die Prüfstelle bewertet Kurskonzeption und Qualifikation – sie führt kein Verfahren zum klinischen Nutzen durch, wie es das BfArM verlangt. Mehr im Beitrag über den Präventionskurs von detoxi im Detail.
Wofür es keine DiGA gibt
Der Weg setzt eine Erkrankung voraus. Für Themen ohne Krankheitswert steht er nicht offen – Paarkonflikte etwa oder allgemeine Stressbelastung ohne Diagnose. Wer an einer Partnerschaft arbeiten will, ist bei Angeboten zur Online-Paartherapie bei Beziehungsproblemen besser aufgehoben.
Weg 1: Verordnung durch Praxis oder Psychotherapie
Verordnen dürfen alle Vertragsärzt:innen sowie Psychotherapeut:innen. Der Termin in der Hausarztpraxis reicht also, ein Platz bei einer Fachpraxis ist nicht nötig – auch in einer Videosprechstunde ist die Verordnung möglich.
Winkt eine Praxis wegen Budgetsorgen ab, trägt das Argument nicht: Die Verordnung einer DiGA belastet nicht das Arzneimittelbudget. Nimm zum Termin eine kurze Beschreibung deiner Beschwerden und vorhandene Befunde mit. Verordnet wird auf dem üblichen Rezeptformular, allerdings mit der Verzeichnisnummer der Anwendung. Das Rezept reichst du bei deiner Kasse ein – per Post, App oder Versichertenportal. Den Freischaltcode stellt anschließend die Krankenkasse aus.
Weg 2: Direktantrag bei der Krankenkasse ohne Rezept
Ohne zeitnahen Termin kannst du den Anspruch selbst geltend machen, formlos über Versichertenportal, Kassen-App oder Post. Die entscheidende Bedingung wird online oft verschwiegen: Ohne belegte Indikation besteht kein Anspruch. Die Kasse braucht einen Nachweis, dass das Anwendungsgebiet bei dir vorliegt – typischerweise einen ärztlichen oder psychotherapeutischen Befund, einen Arztbrief oder einen Entlassbrief. Ein Selbsttest aus dem Netz genügt nicht.
Für die Entscheidung gelten die Fristen des § 13 Abs. 3a SGB V: in der Regel drei Wochen, bei Einschaltung des Medizinischen Dienstes in der Regel fünf. Bei Ablehnung hast du einen Monat Zeit für einen schriftlichen Widerspruch. Verbindlich ist in allen Verfahrensfragen die Auskunft deiner eigenen Krankenkasse.
| Kriterium | Weg 1: Verordnung durch Praxis oder Psychotherapie | Weg 2: Direktantrag bei der Krankenkasse |
|---|---|---|
| Voraussetzung | Ärztliche oder psychotherapeutische Einschätzung im Termin | Nachweis der Indikation aus vorhandenen Unterlagen |
| Was du brauchst | Termin, Schilderung der Beschwerden, Versichertenkarte | Befund, Arztbrief oder Entlassbrief plus formlosen Antrag |
| Wer entscheidet | Die Praxis verordnet, die Kasse setzt um | Die Kasse, ggf. nach Prüfung durch den Medizinischen Dienst |
| Typischer Zeitrahmen | Abhängig vom Termin, danach folgt der Code zügig | In der Regel drei Wochen, mit Gutachten fünf |
| Häufige Stolpersteine | Verordnungsmöglichkeit nicht präsent, falsche Verzeichnisnummer | Fehlender Nachweis, Anwendung passt nicht zum Befund |
| Bei Ablehnung | Rückfrage in der Praxis, ggf. Korrektur | Schriftlicher Widerspruch binnen eines Monats |
Freischaltcode einlösen: Schritt für Schritt
- Die Krankenkasse stellt den Freischaltcode aus – per Brief, in der Kassen-App oder im Versichertenportal.
- Lade die zugehörige Anwendung herunter oder rufe die Weboberfläche des Herstellers auf.
- Lege ein Konto an und gib den Code ein. Erst damit startet die Anwendungsperiode.
- Arbeite die Module in der vorgesehenen Reihenfolge durch; viele Programme geben Inhalte gestaffelt frei.
Wichtig: Kaufe oder abonniere die Anwendung nicht vorab im App-Store. Wenn du selbst bezahlst, entsteht ein Vertrag mit dem Store statt eines Leistungsanspruchs – die Erstattung kann dann scheitern. Erst der Code, dann die Nutzung. Der Code ist zudem befristet. Bei technischen Problemen und beim Gerätewechsel ist der Hersteller-Support zuständig, nicht die Kasse.
Verordnungsdauer, Folgeverordnung und was danach kommt
Eine Anwendungsperiode ist in der Regel auf 90 Tage angelegt – ungefähr die Zeit, für die die Programme konzipiert sind. Besteht die Indikation danach fort, ist eine Folgeverordnung möglich; du brauchst dafür erneut eine Verordnung oder Genehmigung und bekommst einen neuen Freischaltcode. Automatisch verlängert sich nichts.
Der Zugang zu den Modulen endet in der Regel mit der Anwendungsperiode; was bleibt, sind deine Notizen und die Übungen, die du weiterführst. Viele nutzen die 90 Tage, um eine Wartezeit zu überbrücken – sinnvoll, solange die Platzsuche parallel läuft: Über die Terminservicestelle unter 116 117 werden psychotherapeutische Sprechstunden vermittelt.
Kosten, Zuzahlung und private Krankenversicherung
Ist eine DiGA verordnet oder genehmigt, trägt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten nach § 33a SGB V; eine Zuzahlung wie bei Arzneimitteln fällt nicht an. Wir schreiben bewusst „für dich ohne Zuzahlung“ statt „gratis“ – die Leistung wird solidarisch finanziert. Der Vergütungsbetrag steht im Verzeichnis; wir beziffern ihn nicht, weil er je Anwendung unterschiedlich ist.
Privat Versicherte und Beihilfeberechtigte haben keinen vergleichbaren gesetzlichen Anspruch. Ob erstattet wird, richtet sich nach den Tarifbedingungen – kläre das vor dem Start schriftlich mit deinem Versicherer. Den größeren Zusammenhang findest du im Ratgeber dazu, wann die Krankenkasse Online-Therapie übernimmt.
Daten, Einwilligung und was das BfArM prüft
Anforderungen an die Verarbeitung von Gesundheitsdaten und an die Informationssicherheit sind fester Bestandteil des Aufnahmeverfahrens; ohne entsprechende Nachweise kommt eine Anwendung nicht ins Verzeichnis. Die produktbezogenen Angaben stehen je Eintrag dort und lassen sich vor der Nutzung nachlesen.
Die häufigste Sorge in der Praxis ist eine andere: Wer sieht, was ich eingebe? Verlaufsdaten wandern nicht automatisch an deine Praxis. Ob du einen Verlaufsbericht mitbringst, entscheidest du – viele Programme sehen das vor, weil es das Gespräch konkreter macht. Gegenüber Arbeitgebern findet keine Weitergabe statt. Lies den Einwilligungstext beim Anlegen des Kontos in Ruhe: Zustimmungen zu Forschungszwecken sind meist optional.
Grenzen: Wann eine DiGA nicht das Richtige ist
Nicht geeignet ist der Weg bei einer akuten Krise, bei Suizidgedanken sowie bei Selbst- oder Fremdgefährdung – hier brauchst du unmittelbar erreichbare Menschen, keine Module. Ebenso bei schweren oder komplexen Verläufen und immer dann, wenn eine engmaschige ärztliche Begleitung nötig ist, etwa bei neu eingestellter Medikation. Dazu kommen praktische Grenzen: Ohne geeignetes Gerät und ungestörten Rückzugsraum scheitern die Übungen. Die Anwendungen benennen im Verzeichnis eigene Gegenanzeigen.
Ein niedrigschwelliges digitales Angebot ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn du unsicher bist, ob deine Beschwerden behandlungsbedürftig sind, kläre das ärztlich ab; unter 116 117 werden psychotherapeutische Sprechstunden vermittelt, in denen genau diese Einordnung stattfindet.
Ohne Rezept starten: Selbstzahler-Angebote im Überblick
Manche wollen nicht auf einen Termin oder eine Entscheidung der Kasse warten. Deshalb hier die Selbstzahler-Seite – mit klarer Vorbemerkung: Keines der folgenden Angebote ist eine DiGA, und die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten dafür nicht.
Instahelp vermittelt nach Anbieterangaben an über 400 Psycholog:innen und arbeitet ohne Wartezeit; die Sitzungen laufen per Video, Telefon oder Livechat. Einordnung im Instahelp-Testbericht. Zu Instahelp.
Beavivo arbeitet mit approbierten Therapeut:innen und bietet ein kostenloses Infogespräch zur Klärung, ob das Angebot passt; der Start ist kurzfristig möglich. Details im Beavivo-Testbericht. Zu Beavivo.
Online-Therapy.com ist ein strukturiertes Selbstlernprogramm auf Basis der kognitiven Verhaltenstherapie, mit Live-Sitzung, Arbeitsblättern und Journal – vom Aufbau her am ehesten mit dem vergleichbar, was DiGA-Programme leisten. Programm und Begleitung laufen auf Englisch. Laut Anbieter sind im ersten Monat 20 Prozent Rabatt enthalten; ein Gutscheincode ist dafür nicht nötig. Mehr im Testbericht zu Online-Therapy.com. Zu Online-Therapy.com.
PaarBalance ist ein deutschsprachiges Selbstlernprogramm für Paare – eine Option für die Themen, für die es den DiGA-Weg nicht gibt. Es beginnt mit einem kostenlosen Beziehungstest, der Standardtarif liegt bei 59 € pro Monat. Einordnung im PaarBalance-Test. Zu PaarBalance.
Welche Kriterien wir anlegen, legen wir offen: wie wir Anbieter bewerten. Die Gegenüberstellung aller Angebote steht im Vergleich der Online-Therapie-Anbieter.
BetterHelp ist ein Online-Beratungsangebot mit über 30.000 qualifizierten Berater:innen, davon rund 900 deutschsprachig. Das Matching mit einer Berater:in erfolgt in der Regel innerhalb von 48 Stunden, der Austausch danach per Nachricht, Telefon oder Video. Es handelt sich um Beratung; eine Kassenerstattung gibt es nicht. Bei behandlungsbedürftigen Beschwerden ersetzt ein niedrigschwelliges Beratungsangebot keine ärztliche Versorgung. Konditionen im BetterHelp-Testbericht. Zu BetterHelp.
Häufige Fragen zu DiGA bei psychischen Beschwerden
Was genau ist eine DiGA – und woran erkenne ich, ob eine App dazugehört?
Eine DiGA ist ein Medizinprodukt niedriger Risikoklasse mit digitaler Hauptfunktion, das der Erkennung, Überwachung, Behandlung oder Linderung einer Erkrankung dient. Entscheidend ist allein der Eintrag im DiGA-Verzeichnis des BfArM – steht eine Anwendung dort nicht, ist sie keine DiGA.
Bekomme ich eine DiGA auch ohne Rezept?
Ja, über einen Direktantrag bei deiner Krankenkasse. Das funktioniert aber nur, wenn du die Indikation belegen kannst, etwa durch Befund, Arztbrief oder Entlassbrief. Ohne solchen Nachweis besteht kein Anspruch.
Was kostet mich eine DiGA, und muss ich etwas zuzahlen?
Bei einer verordneten oder genehmigten DiGA fällt für gesetzlich Versicherte keine Zuzahlung an, die Kasse trägt die Kosten nach § 33a SGB V. Kaufe die Anwendung aber nicht vorab selbst im App-Store – dann kann die Erstattung scheitern.
Wie lange darf ich eine DiGA nutzen, und geht es danach weiter?
Eine Anwendungsperiode ist in der Regel auf 90 Tage angelegt. Besteht die Indikation fort, ist eine Folgeverordnung möglich; du erhältst dann einen neuen Freischaltcode. Automatisch verlängert sich nichts.
Was bedeutet der Unterschied zwischen dauerhaft und vorläufig aufgenommen für mich?
Beide Varianten sind verordnungs- und erstattungsfähig. Bei dauerhafter Aufnahme hat der Hersteller einen positiven Versorgungseffekt gegenüber dem BfArM belegt, bei vorläufiger läuft dieser Nachweis noch – in der Regel über zwölf Monate. Gelingt er nicht, kann die Anwendung gestrichen werden.
Ersetzt eine DiGA eine Psychotherapie?
Nein. Ein digitales Programm kann eine Behandlung ergänzen oder eine Wartezeit überbrücken, ersetzt aber keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Bei behandlungsbedürftigen Beschwerden solltest du parallel eine Behandlung anstoßen, etwa über 116 117.
Was mache ich, wenn meine Krankenkasse den Antrag ablehnt?
Du kannst innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen und fehlende Unterlagen nachreichen – meist scheitert der Antrag am Indikationsnachweis oder daran, dass das Anwendungsgebiet nicht zum Befund passt. Wie deine Kasse verfährt, erfährst du verbindlich nur dort.
Zahlt auch die private Krankenversicherung eine DiGA?
Ein gesetzlicher Anspruch wie in der GKV besteht nicht. Ob erstattet wird, hängt vom Tarif ab und sollte vor dem Start schriftlich geklärt werden. Für Beihilfeberechtigte gelten zusätzlich die jeweiligen Beihilfevorschriften.
Ist ein Präventionskurs wie detoxi eine DiGA – und was ist der Unterschied?
Nein, detoxi ist ein Präventionskurs nach § 20 SGB V. Er kostet 99,99 € und wird je nach Kasse zu 80 bis 100 Prozent erstattet – du trittst also in Vorleistung und bekommst einen kassenindividuellen Zuschuss statt einer Sachleistung. Geprüft wird die Kurskonzeption, nicht der klinische Nutzen wie im BfArM-Verfahren.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, und digitale Angebote sind kein Notfalldienst. Wenn es dir akut schlecht geht, wende dich an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr), an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 – und im Notfall an den Rettungsdienst unter 112.